Eifersucht loswerden – die zerstörerische Angst einer Beziehung (Lesezeit 5 min)

 

Eifersucht loswerden – die zerstörerische Angst einer Beziehung

Jeder kennt dieses bedrückende, hilflose Gefühl, diese Angst den Partner an eine scheinbar bessere Person zu verlieren. Wer noch nie Eifersucht empfunden hat, hat noch nie geliebt, so sagt man.
Doch so ist es nicht, für das empfinden von Eifersucht reichen normale Freundschaften und Beziehungen, auch mit dem selbigen Geschlecht, eventuell kommt dir das bekannt vor als du in jüngeren Jahren Eifersucht wegen einem besten Freund oder einer besten Freundin empfunden hast. Genau diese Angst ist der seit Jahrtausenden in uns schlummernde Trieb nach Aktzeptanz und Anerkennung innerhalb einer dynamischen Gruppe.
Es ist nun mal so, dass alle sozialen Gesetzmäßigkeiten im Sinne der Anerkennung in Gruppen oder der Attraktion des anderen Geschlechts die heute in der modernen Welt gelten, auch schon vor tausenden Jahren existent waren, sprich – wenn es um die Frage geht ob wir jemanden attraktiv finden, akzeptieren oder respektierten denken wir wie ein haariger Affe der zwischen Sebelzahntigern und Mammuts lebt.
Die Evolution hat uns durch hunderttausende Jahre der Anpassung phänotypisch und biochemisch zu dem gemacht was wir heute sind. Überlebenswichtige Reflexe wie der Greif- oder Würgreflex waren genau so wichtig wie feste soziale Strukturen. Für uns gelten 2017 die gleichen Werte wie zu der Zeit als auch Frauen Haare am Rücken hatten, nur haben diese Werte heute andere Namen.
Also, nehmen wir mal an wir sind haarige, gerade so auf zwei Füßen laufende Homo Sapiens Sapiens.
Der Mensch ist kein Einzelgänger, die Akzeptanz und der feste Platz in einem Rudel ist uns als fester Trieb angeboren, genau so wie es uns angeboren ist nach einem Stück Schockolade, welches nicht direkt in die Speiseröhre fällt, kräftig zu husten. Es ist wichtig zu verstehen, dass wir Menschen nicht unbegründet handeln, wir treffen soziale Entscheidungen nach überlebenswichtigen Gesichtspunkten, die auf evolutionären Gesetzen beruhen. So bedeutete es in dieser Zeit den sicheren Tod, wenn man als Beta-Mann im Rudel dem Alpha-Mann in die quere kam oder als Schwangere Frau keine emotionale Bindung zu einem starken Beschützer, dem Alpha der Gruppe, schaffen konnte.

Was ist Eifersucht genau? Eifersucht beschreibt die, fast rauschartige, Angst den Partner an jemand Anderen zu verlieren. Wer in einer Beziehung schon einmal verletzt wurde, den Partner inflagranti erwischt hat oder einfach über eine gewisse Periode gemerkt hat, dass der Partner jemanden anderen hat, weiß welche Symptome Eifersucht verursachen kann. Stress, Schweißausbrüche, Atemlosigkeit und ein Gefühl als würde das Herz stehen bleiben. So sehr ist dieser intensive Trieb nach Halt und Akzeptanz in uns verankert, sodass negative Einflüsse und Stressoren körperliche Auswirkungen haben. Nochmal zur Erinnerung, vor tausenden Jahren bedeutete solch eine Ausgrenzung den sicheren Tod. Dabei ist die Lösung so simple und banal, dass es sich schon fast witzig anhört.

Die Antwort auf die quälende Thematik der Eifersucht ist, sie muss nicht sein und eigentlich bringt sie niemandem etwas.
Wenn wir an die Personen in unserem Freundeskreis denken, welche scheinbar keine oder nur mikroskopisch wenig Eifersucht empfinden, dann sind diese wahrscheinlich Gutaussehend, erfolgreich und haben allgemein viel Freude am Leben, aber so einfach ist es nicht. Nicht Eifersüchtig zu sein, bedeutet mit sich selber so sehr im Reinen zu sein, dass man sich sicher ist: „Nein, es gibt keinen Besseren als mich, ich habe keinen Grund zur Sorge.“
Doch wer kann das schon von sich behaupten?

Der springende Punkt der Eifersucht ist, dass sie Schwäche signalisiert.
Gehen wir ein Beispiel durch. Annika und ihr Freund Franz sind im Zenit ihrer Beziehung, alles läuft gut. Eines Abends kommt Annika ins Zimmer und sagt „Hey du, ich treffe mich morgen mit Ole, einem Kumpel aus der Uni, wir müssen da noch dieses Modell für unser Referat zu ende machen, er hat schon viel vorbereitet“. Franz, Annikas Freund, hat nun genau zwei Optionen. Option eins wäre er macht sich völlig verrückt, wirft Annika vorwurfsvolle Thesen an den Kopf und impliziert, dass sie fremdgehen würde und etwas für Ole empfindet. Gehen wir Option eins einmal detailliert durch.
In den meisten Fällen ist der Eifersüchtigen Person nicht mal bewusst, dass die andere Person keinerlei Gefahr oder Konkurrenz darstellt. Nehmen wir nun an Ole ist nur halb so intelligent, halb so lustig, einen Kopf kürzer als Franz und sieht gar nicht so gut aus. Genau in dem Moment wo Franz seiner Freundin Vorwürfe macht und äußert, dass ihm dieses Treffen nicht gefällt, gibt er ihr nur eines zu verstehen: „Hey Annika, ich bin nicht selbstsicher und obwohl ich nichtmal weiß wie Ole ist, bin ich mir sicher, dass er mehr Wert ist als ich und ich dich an ihn verlieren könnte“. Natürlich sagt er das nicht und natürlich hört Annika das auch nicht, aber genau diese Nachricht kommt nach unbegründeten und wiederholten Anschuldigungen und Eifersuchtsattakten beim Partner an. In diesem Fall ist es sogar noch schlimmer, obwohl Ole theoretisch gar nicht Annikas Typ und auch nicht sonderlich attraktiv ist, zeigt Franz sehr viel Schwäche und signalisiert damit offen und ehrlich, dass er unsicher ist und Annika eigentlich jemand besseres verdient hätte. Das hört sich zunächst überspitzt an, aber genau das ist die Nachricht, die der Partner nach mehrfacher unbegründeter Eifersucht empfängt.
Betrachen wir Option zwei.
Annika sagt das gleiche und legt noch einen drauf indem sie sagt „Morgen Abend  nach dem Referat würden wir noch eine Kursparty im neuen Club um die Ecke machen, ich hoffe das ist okay“.
Franz denkt kurz darüber nach und macht sich selbstverständlich Gedanken, denn ja, Eifersucht ist menschlich.
Doch Franz hat vor ein paar Tagen einen Artikel über Eifersucht gelesen und antwortet: „Klar, ist okay, viel Erfolg beim Projekt heute, Ole scheint ein netter Typ zu sein und dann könnt ihr ja alle morgen Abend etwas entspannen beim feiern.“ und gibt ihr einen freundlichen Klapps auf den Hintern.
Siehst du, lieber Leser, den Unterschied? Franz signalisiert ihr hiermit „Ich habe kein Problem damit, dass du etwas mit Ole machst, er ist keine Gefahr für mich“, mit einem aufrichtigen Kompliment an Ole verstärkt er diesen Effekt sogar. Das Beispiel ist nur eines von vielen, die Geschlechter könnte man ohne Probleme verdrehen, die Gesetze sind universell.

Was ist nun das Fazit?
Krankhafte Eifersucht ist eine selbstzerstörerische Essenz. Zum einen machst du dir selber Stress und fügst dir Schaden zu, zum anderen belastest du deine Beziehung und stellst deine eigene Attraktion unbegründet und ohne Sinn in den Schatten in dem du deinen Partner zeigst, dass du unsicher bist und jeder wahrscheinlich mehr Mehrwert bieten könnte als du selbst. Wie in Option zwei des Beispiels kannst du das Prinzip der Eifersucht auch für dich arbeiten lassen. Selbst wenn deine Konkurrenz größer, hübscher oder intelligenter ist als du, kannst du, indem du keine Eifersucht zeigst, selber attraktiver wirken und signalisieren: „Ich bin der beste Partner für dich, etwas besseres gibt es nicht.“ Das ist jedoch nicht das Ziel, Ziel ist es durch Selbstfindung diesen Gedankengang fest in deinen Kopf einzubauen, nichts desto trotz klappt das, ganz nach dem Motto „Wer von sich selbst überzeugt ist, hat nichts zu befürchten“.
Natürlich kann es trotzdem immer passieren, dass ein Partner fremdgeht. Fremdgehen ist das Produkt von mangelnder Attraktion, niemand, der eine feste Beziehung eingeht, hat „einfach so“ das Bedürfnis mit jemand Anderen Intimitäten zu erleben. Fehlende Attraktion hingegen kann mehrere Gründe haben, unbegründete Eifersucht ist einer davon.
Also, lieber Leser, egal ob Mann oder Frau, mach’ dich nicht verrückt. Manchmal hilft es einfach durchzuatmen und locker zu reagieren. Es klingt für außenstehende vielleicht wirklich komisch, aber in 99% der Fälle, wo keine Eifersucht bzw. nur wenig gezeigt wird, geht der dazugehörige nie fremd. Warum denn auch, du bist das beste was dein Partner haben kann. Nicht Eifersüchtig zu sein ist quasi eine Win-Win Situation, du schonst deine Nerven und bleibst Attraktiv gegenüber deinem Partner. Anfangs wirst du dir den Schmerz vielleicht unterdrücken müssen, aber glaub’ mir, sobald du die Gesetzmäßigkeit dahinter entdeckst ist deine Eifersucht für immer „weg“.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.